
Umdenken in der Hundeerziehung!
Die Begriffe Dominanz und Unterwerfung kehren auch heute noch immer wieder, wenn es um das Thema Hundeerziehung geht. Da angenommen wird, dass Hunde sich in einem Rudel ähnlich verhalten wie Wölfe, wird dies auch auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund übertragen. Eine Studie der Animal Welfare & Behaviour Group innerhalb des veterinärmedizinischen Instituts hat sich jedoch nicht auf die einschlägigen Studien mit Wolfsrudeln konzentriert, sondern über mehrere Monate hinweg eine Gruppe von Hunden in einem Hunde-Rehabilitationszentrum beobachtet. Dabei waren die Interaktionen der Tiere vollkommen unmoderiert. Forscher konnten bei ihren Beobachtungen feststellen, dass Hunde ihre Beziehungen untereinander nicht durch Dominanz bestimmen wie Wölfe, sondern sich vielmehr durch Freundschaften verbinden. In einer Gruppe vieler Hunde gibt es folglich kein Leittier. Die Annahme, dass jeder Hund von einem angeborenen Bedürfnis seine Rudelmitglieder zu kontrollieren angetrieben sei, wäre somit hinfällig! Aggressionen der Tiere seien laut einiger Forscher oft einfach ein Zeichen von Angst. Wer sich also bei der Hundeerziehung darauf konzentriert seinem Hund deutlich zu machen, dass er, der Mensch das dominante „Herrchen“ ist, kann bei konsequenter Anwendung dieser Methode womöglich genau diese Angst hervorrufen.
Auf dieses Thema bezogen sind verschiedene Artikel über indianisches Training mit Pferden recht interessant. Bei diesem Training geht es darum eine Beziehung zu dem Tier aufzubauen, seinen Charakter und seine Persönlichkeit kennenzulernen und gewisse Verhaltensweisen besser deuten zu können. Durch die gemeinsame Arbeit zwischen Mensch und Tier tritt man automatisch in einen Dialog miteinander und lernt die richtige Art der Kommunikation. Wenn die Beziehung und das Vertrauen aufgebaut ist, sind weitere Lernerfolge garantiert. Gewünschte Verhaltensweisen können gefördert und falsche ganz einfach korrigiert werden. Ist dieses Training nicht auch auf Mensch und Hund anwendbar?
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Julia Platzer | am 27. Juli 2010 um 18:16 Uhr
Nette Studie. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich mit meinem Hund auf eine Stufe stellen sollte. (Hunde-)Erziehung funktioniert dann meines Erachtens nicht. Klar funktioniert diese gewalt- und angstfrei. Natürlich muss ich mich mit meinem Hund arrangieren und mit ihm kommunizieren. Aber es ist wichtig, dass jmd. im Rudel oder in der Familie das Steuer in die Hand nimmt und das bin im besten Falle ich, und nicht der Hund. In sofern sollte es schon eine klar bestimmte Rangordnung geben. Das ist mit Kindern ja njichts anderes. Da sind auch die Eltern die Bestimmer und nicht umgekehrt. (Im besten fall natürlich, auch da haben sich so manche Eltern übers Ohr hauen lassen
)
Interessant, wird das natürlich mit der Zweit- und Mehrhundehaltung. Also es gibt keinen Rangkampf, sondern es werden Freundschaften geschlossen oder nicht.
Die Begriffe Dominanz und Unterwürfigkeit fand ich schon immer problematisch.
In der Hundeerziehung gibt es immer zwei Probleme:
1. Der grobe Dominanzorientierte Erzieher, der den Hund züchtigt und schlägt, damit er pariert. Aber darauf verzichtet, jemals eine Beziehung mit dem Hund einzugehen.
2. Der nette Partner, der sich mit dem Hund unterhält, ihn zu Tode füttert, in stundelangen Vorträgen versucht dem Hund zu erklären, warum er nicht ans Sofa pinkeln darf und sich dann wundert, warum der Hund es dann doch tut.
In beiden Fällen hat man einen verunsicherten Hund. Der erste Fall ist natürlich brutal und gemein und wir bemühen uns immer das zu unterbinden.
Im zweiten Fall ist der Hund zunächst verunsichert, Weil keiner Entscheidungen fällt.Bis dann endlich der Hund das Ruder in die Hand nimmt.
Die oben genannte Studie kann natürlich helfen beides zu vermeiden, aber dazu muss man sie richtig lesen und deuten können. Wie mehrere Hunde miteinanderleben, sagt nichts über die ERziehung an sich aus. Dafür sollte man sich Hündin und Wurf angucken.
@Sabine: Alpha=Breeder finde ich sehr wichtig in der Hinsicht. Denn genau da sollte man ansetzen, wenn es um Erziehung geht.
Sabine | am 27. Juli 2010 um 20:21 Uhr
@ Julia
Du hast schon Recht es ist wie in der Kindererziehung, weder Laissez-faire noch totalitär sollte erzogen werden. Der Mittelweg ist wie immer der Richtige.
Mich würde jetzt nur interessieren was genau du darunter verstehst, denn natürlich ist es Ansichtssache. So ist für viele Hundehalter zB eine Würgekette immer noch normal und nicht mit psychischen und physischen Druck verbunden.
Was ist für dich der Unterschied der Hunde die in der Studie zusammenleben und einer Mutter die mit ihren Welpen umgeht?
Die Rangordnung zwischen Mensch und Hund klarstellen finde ich etwas schwierig. Denn eine Rangordnung kann nur zwischen einer Art hergestellt werden und das nicht mal immer.
Wie genau man das Zusammenleben von Mensch und Hund einzustufen hat ist noch immer nicht geklärt, aber Rangordnung ist es nicht. Eher eine soziale Struktur bzw. ein Gefüge dass aus Geben und Nehmen besteht.
Eine soziale Struktur kann nur mit Regeln bestehen, an die man sich halten sollte. So sollte man eher Hundeerziehung beschreiben, denn das erstens eine Rangordnung zwischen Mensch und Hund nicht möglich ist, das ist bewiesen und in der Vorstellung des Menschen hat höheren Rang herstellen immer etwas mit Einschränkungen, Befehlen und mit “von oben herab hauen” zu tun.
Was nicht zu verdenken ist, immerhin haben wir Menschen eine andere Ansicht zu Rang als ein Canide.
Kurz: Wir leben mit Hunden in einer sozialen Gesellschaft, in der sich jeder an Regeln halten muss, sowohl Mensch als auch Hund. Das dies funktioniert beweisen, Wölfe, Streuner und unsere Haushunde.
Lg














Sabine | am 27. Juli 2010 um 16:47 Uhr
Auch das Wolfsbeziehungmodell ist nicht von Dominanz und Unterwerfung geprägt, sondern:
“Das typische Wolfsrudel sollte daher als eine Familie mit erwachsenen Elterntieren angesehen werden, bei der die Elterntiere die Aktivitäten der Gruppe lenken. Die Führung der Gruppe wird durch ein System der Arbeitsteilung untereinander aufgeteilt. Das Muttertier dominiert bei Aktivitäten wie der Jungenaufzucht und -verteidigung, während der Vater hauptsächlich bei Aktivitäten wie der Jagd, der Nahrungsbeschaffung und den damit verbundenen Wanderungen dominiert…” David Mech
(Dominieren bedeutet NICHT das es immer so ist)
jedoch zeigte auch schon Günther Bloch, dass sehr wohl auch die Jungtiere die Gruppe anführen können, damit die Älteren Tiere Kraft sparen um die Jagd erfolgreich zu beenden, dank ihrer Erfahrungen. Ein Jungtier darf auch Ressourcen gegenüber den Alttieren verteidigen. So liegen zB bei Ruhepausen, meist Jungtiere höher, da die Alttiere mehr Ruhe brauchen und somit den aufgeweckten Jungtieren die Aufgabe des Aufpassens überlassen.
Bei einem Vortrag am Zoologischen Institut Wien, stellte David Mech eines fest: Alpha = Breeder! Mehr nicht!
Leider wurden in der Hundeszene zuviele SChreckgespenster über die bösartigen Alphatiere erzählt, so dass sich Menschen gezwungen fühlten, die schlimmsten physischen wie psychischen Folterungen an Hunden vorzunehmen weil die Angst dominierte ein unberechenbares Monster an seiner Seite zu haben.
Da setzte der Verstand leider aus.
Lg