
Interaktive Geschichte von Hundemeldungen: Rami und sein weiter Weg
Eigentlich wollte ich nicht auf konventionelle Art in meine Abenteuergeschichte einsteigen, aber ich fürchte da hilft alles nichts. Angefangen hat nun mal alles mit meiner Geburt.
Nun ja selbstverständlich nicht alles aber zumindest meine Geschichte…
Was ich damals nicht wusste: Klein und niedlich zu sein bringt nur dann Vorteile, wenn man Kontakt zu Menschen hat! Ist dies nicht der Fall, liegt der Vorteil ganz glasklar auf Seiten der Geschwister… Und das waren wirklich einige. Ganz deutlich erinnere ich mich an Manfred (oder „Mampf-Fred“, wie ich ihn zu nennen pflege). Der Typ war wirklich absoluter Saug-Weltmeister und ganz schön speckig! Mobbing war damals auch ein ganz großes Thema – davon kann ich einiges bellen. Ständig kam ich zu kurz und konnte daher auch meine ursprünglich serienmäßige Ausstattung nicht weiterentwickeln – im Gegenteil. Ich war so dünn und die Sache mit dem Wachstum wollte einfach nicht gelingen.
An einem besonders warmen Tag knurrte mein Magen schlimmer als Pedro, der Hund vom Metzger, wenn man mal eine Sekunde zu lang vor der Ladentür stand! Ich fasste mir ein Herz, bündelte meine Energie, die bereits zu diesem Zeitpunkt sehr kläglich war und versuchte mich an „Mampf-Fred“ vorbei an Mutters Zitze zu drängen. Es kam, wie es kommen musste – bei der Rangelei wurde ich am Ohr verletzt. So konnte es auf keinen Fall weiter gehen! Ein Plan musste her…
…also dachte ich nach was ich nun tun könnte, allerdings irritierte mich “Mampf-Freds“ rülpsen dabei etwas. Er konnte ein richtiges Ferkel sein, aber das ist ja auch kein Wunder – so viel wie er immer getrunken hat… da war die Milchbar auch gleich leer. Naja jedenfalls entwarf ich dann meinen “Meister plan” und der ging so:
Ich rief einfach ganz laut: `Schaut mal da drüben, ganz viele Vögel´ und schon schauten sie alle, und ich konnte mich kräftig bedienen. Aber leider ist das mir nur beim ersten Mal gelungen. Dann musste ein neuer “Meisterplan” her:
Erst mal leckte ich meine Wunden und bedauerte mich unendlich selbst. Aber dann, dann kam die Erleuchtung. Ich legte mich vor den Metzgerladen, immer ein Auge auf Pedro gerichtet, man weiß ja nie, und fiepte einfach fürchterlich los.
Es klappte, es klappte wirklich. Ich konnte es nicht fassen. Eine ältere Dame kam aus dem Metzgerladen, wühlte in ihrer Tasche und was hatte sie in der Hand?
Leute, ihr glaubt es nicht, einen Wurstzipfel.
Ich sah dass in dem Metzgerladen eine junge Frau stand, die mit einem Blick immer zu uns rüber schielte, also fing ich gotterbärmlich an zu schreien, rollte mich auf den Rücken und zappelte mit meinen dürren Beinchen. Ich sah dass sie aus dem Laden rausrannte und zu uns herüberkam. Sie beugte sich über mich und nahm mich zärtlich auf den Arm, wobei sie beruhigend auf mich einredete. Ich fühlte mich so wohl bei ihr im Arm, ihre Stimme war so angenehm und sie roch so gut…
…nach Kümmel. Ich liebte Kümmel. Vor allen Dingen auf Harzer Käse. Also beschloss ich, meinen Namen zu ändern und auf Wanderschaft zu gehen. Als erstes befreite ich mich von dem Arm, der mir ohnehin völlig unbekannt war und machte mich auf, die weite Welt zu erkunden. Ich nannte mich nun Kümmel und lernte alle möglichen …Tricks um selbst für meinen Unterhalt zu sorgen…
Meine einzige Sorge war wo ich heute Nacht schlafen sollte. Früher konnte ich mich nachts an meine Mutter und meine Geschwister kuscheln! Doch nun, nun würde ein trockener, windgeschützter Platz reichen müssen. Kümmel, dachte ich, ist doch wirklich ein hoffnungsfroher Name für einen kleinen Kerl wie mich! Bald werden mich alle Leute kennen. Hoffentlich fallen dabei genug Würstchen für mich ab.
Es regnet immer noch ganz fürchterlich, mein Fell war klatschnass, ich fror und war immer noch auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen. Plötzlich sah ich drüben auf der anderen Straßenseite einen großen braunen Hund, er war an einer Laterne festgebunden. Der Arme, dachte ich und lief schnell zu ihm. Der Hund war froh, mich zu sehen. Er erzählte traurig, dass er schon Stunden hier saß und auf sein Herrchen wartet. “Ich heiße übrigens Othello” sagte er. Ich stellte mich auch vor und Othello schmunzelte etwas über meinen Namen. Nachdem wir beide an seiner Leine gezerrt hatten, war er frei und wir beschlossen, zusammen nach einem Fleckchen für die Nacht zu suchen. Morgen würden wir Othello’s Herrchen sicher finden…
Am Morgen kehrten wir als erstes zu dem Platz zurück, wo ich Othello angebunden gefunden hatte. Wir schnupperten alles ab, ob sein Herrchen vielleicht in der Nacht zurückgekommen war, aber Othello schüttelte enttäuscht seinen Kopf. Von den Autos, die vorbeifuhren, hielt niemand an, keiner beachtete uns und so machten wir uns wieder auf den Weg. Der Hunger trieb uns zu einem Bäckerladen und ich schauspielerte wieder. Inzwischen wusste ich genau worauf mitleidende Menschen reagieren. Othello, der geduldig neben dem Eingang saß und dem Treiben zuschaute, staunte nicht schlecht, denn auch für ihn fielen einige Häppchen ab. Plötzlich hielt ein Auto am Straßenrand an. Othello knurrte, irgendetwas missfiel ihm – vielleicht der Geruch der von dem Wagen aus ging. Der Mann, der ausstiegt, trug eine Art Overall mit einer Aufschrift…
…ich wusste nicht wer das war, ich konnte es mir nur denken…EIN HUNDEFÄNGER!! Othello sagte: „schnell wir müssen hier schleunigst weg.“ Der Mann kam immer näher, ich hatte etwas Bammel… Schließlich erzählt man sich dass es gar nicht schön ist, wenn man von einem Hundefänger mitgenommen wird, anscheinend wird man an einen schlimmen Ort gebracht und kaum einer würde einen da rausholen! Wir mussten ganz schnell fliehen und rannten, so schnell uns unsere Pfoten tragen konnten.
Nach kurzer Zeit kamen wir auf einen Marktplatz. hier roch es so gut nach Würstchen und Schinken. Oh wie lecker wäre nun ein Stückchen Schinken. Othello hatte noch nie Schinken gegessen und wir beschlossen, dass es an der Zeit sei dies zu ändern. Mein neuer Freund und ich schmiedeten einen Plan und der wurde auch in die Tat umgesetzt. Da ich so lieb und klein war machte ich die Leute auf mich aufmerksam in dem ich ihnen Kunststücke zeigte. Wusste gar nicht dass ich das so gut konnte, muss ein Naturtalent sein. Jedenfalls lenkte ich so die Leute ab, Othello schnappte sich ein Stück Schinken und lief damit davon… Ich wie nix hinterher, wobei ich im Vorüberlaufen noch eine Würstchenkette mitnahm. Unter einem sicheren Baum machten wir es uns gemütlich und stillten unseren Hunger. Bevor wir uns auf die Suche nach Othellos Herrchen machten.
Mir fiel eine Geschichte seiner Großmutter ein. Die erzählte von Hunden, die hatten Kleider wie Kinder, Körbchen mit Latex-Matratzen und Lattenrosten, gingen zum Frisör und in die Schule. Die Menschen sprachen mit ihnen, als würden sie in ganzen Sätzen verstehen… aber dafür gab es Schinken in rauen Mengen, Schweineohren aus biologischem Anbau und hin und wieder auch psychologische Traumdeutung. Wo lebten diese Menschen und vor allen Dingen diese Hunde? Und wie wird man so ein Hund fragte Kümmel sich, als er ein Auto mit der Aufschrift Fettnapf an sich vorbeifahren sah…
Das Logo des Autos kam mir außerordentlich verlockend vor. Ein Hund und eine Katze, die vor einem Napf saßen und sich das Maul leckten… Die Tiere auf diesem Bild mussten aus der Welt stammen, von der ich träume. Meine Mutter hatte mir davon berichtet, dass meine Großmutter in dieser Welt gelebt hatte. Sie wohnte damals bei Menschen – bei ihnen im Haus. Meine Mutter wurde einige Wochen nach ihrer Geburt an andere Menschen weiter gegeben. Auch sie führte dort ein glückliches Leben, kümmerte sich um ihre Zweibeiner, sorgte dafür, dass sie morgens rechtzeitig aufstanden und genügend Bewegung an der frischen Luft bekamen…
…dann jedoch während einer Urlaubsreise bei einem Ausflug hat sie während der Jagd auf ein Kaninchen ihre Menschen aus den Augen verloren und konnte auch ihre Spur nicht wiederfinden. So kam es, dass meine Mutter ein Straßenhund wurde. Ich, der ich bisher nie wirklich Kontakt zu Menschen hatte, wie sollte ich es anstellen von Menschen adoptiert zu werden? Othello, der ja sein Leben lang bei Zweibeinern gelebt hatte, gab mir einige Tipps:
Othello war der Meinung, dass Touristen wesentlich leichter zu adoptieren seien, da sich diese in der Regel in einer so genannten Hochstimmung befanden und wesentlich aufgeschlossener seien. Er schlug vor einige Urlauber zu beobachten und dann die geeigneten Kandidaten auszuwählen. Um „unsere“ Menschen dann von uns zu überzeugen, so Othello, war es elementar einiges über artgerechte Menschenhaltung zu erfahren. Da ich keinen Schimmer davon hatte, gab mir mein neuer Freund einige Beispiele:
Als erstes musst Du den süßesten Blick aufsetzen, den du beherrschst, meinte Othello, dann gleich schwanzwedelnd um sie herumschleichen, mit den bettelnden Augen und sich von der allerliebsten Seite zeigen, dann wirst du feststellen, das dich die Leute *bemerken* und aufmerksam werden. Teste aber sehr gut mit Deinem Gefühl und der Nase ab, wer dich wirklich mag, ansonsten such erst mal das Weite.
Dies tat ich dann auch wie der erste Tourist vor mir stand und mich liebevoll ansah. Dieser Mensch hob die Hand und ich ging sofort in Deckung *was wollte dieser Mensch* mit seiner Hand? Aber er sprach beruhigend auf mich ein, so beruhigend das ich mir es gefallen ließ gestreichelt zu werden.
Othello hatte ein *zwinkern* auf dem Gesicht, als wenn er sagen wollte *genauso ist es richtig*
Nachdem ich jetzt gelernt hatte, wie ich die Aufmerksamkeit der Menschen bekomme, folgt anschließend die nächste Lektion von Othello, meinem treuen Freund wie ich mich verhalte um adoptiert zu werden.
Zum Beispiel muss man herausfinden was die Menschen die Du gut findest, selber gerne haben, manche mögen es von uns geküsst zu werden und manche nicht! Manche mögen es gerne wenn wir durch Bellen auf uns aufmerksam machen und manche wiederrum mögen es wenn wir uns ruhig verhalten, manchen Menschen sollten wir das Gefühl geben das sie das sagen haben und manche lassen uns endlos gewähren…
Auf jeden Fall suchten wir uns einen guten Platz an dem viele Menschen vorbei kamen um zum Strand zu gehen und wenn welche stehen blieben um uns zu berühren und zu streicheln zog ich den Trick mit der Pfote, die ich hoch halte ab und die meisten Menschen griffen nach meiner Pfote und Lachten – was mich zuerst beunruhigte da man dann ihre Zähne blitzen sah. Aber mein Freund beruhigte mich und erklärte mir das sei halb so schlimm wenn die Menschen das taten wären sie sehr gut gelaunt.
Tatsächlich bekamen wir hier und da von den Menschen belegte Brote und Käsestücken zugeschoben und mussten so wenigstens nicht mit knurrendem Magen abhängen. Zwei von denen holten Wasserflaschen raus und ließen uns aus ihrer Hand trinken, in die sie das Wasser rein schütteten.
Bei einem Menschen schmeckte das Wasser furchtbar ekelig und wenn man versuchte es zu trinken, machte es ein komisches Gefühl auf der Zunge und schlug Blasen als ob das Wasser lebte. Mein Freund sagte ich solle es lieber nicht trinken da manche Dinge die diese komischen Menschen zu sich nehmen ungenießbar sind und Schmerzen hervorrufen könnten. Also drehte ich immer wieder den Kopf weg und ging einige Schritte rückwärts wenn sie mir das Wasser vorhalten wollten.
Da hörte ich plötzlich eine helle Stimme die ich auf Anhieb schön fand, ich sah auf und da war Sie! Eine junge Frau mit einem Mini Menschen auf dem Arm sah mich an und ein Mann stand hinter ihr. Auch er bückte sich zu mir runter und kraulte auf eine wunderbare Art und Weise mein Ohr und berührte mich sanft und zart. Othello meinte zu mir: “Das sind Streicheleinheiten – genieße es so lange es währt”.
Als die zwei Menschen mit dem Mini Menschen weiter gehen wollten sagte Othello zu mir: „Nun lauf ihnen hinterher mal sehen ob sie versuchen dich fort zu jagen?! Du musst es Probieren!“
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