Die Homöopathische Notfallapotheke für den Hund


In den nächsten Wochen werden von der Autorin regelmäßig Mittel zur homöopathischen Behandlung von Notfällen vorgestellt! Zunächst wollen wir uns jedoch ein wenig mit der Theorie der klassischen Homöopathie befassen.

Was bedeutet eigentlich Homöopathie?
Das Wort leitet sich von „homoios“ (ähnlich) und „pathos“ (Leiden, Krankheit) ab. Der Gründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, hat im Jahre 1810 in seinem „Organon der rationellen Heilkunde“ die Prinzipien der Homöopathie niedergeschrieben. Er hat das Organon bis zu seinem Tod (er wurde trotz zahlreicher Arzneimittelprüfungen an sich selbst 88 Jahre alt!) immer weiter entwickelt. Die 5. und 6. Fassungen bilden noch heute die Grundlage der Homöopathie, die wir als „klassisch“ bezeichnen.

Hahnemann hat ein medizinisches System aufgebaut, das sowohl die Diagnose als auch die Behandlung beinhaltet. Das oberste Prinzip der klassischen Homöopathie ist das Ähnlichkeitsprinzip:
Die Symptome eines Patienten können durch ein Mittel geheilt werden, das bei einem gesunden Individuum ähnliche Symptome erzeugen würde.

Nehmen wir als Beispiel Apis mellifica, die Honigbiene. Wird der gesunde Mensch gestochen oder verabreicht man ihm zu Prüfungszwecken das Bienengift, so schwillt die Einstichstelle deutlich an. Die Schmerzen sind brennend, stechend und sehr stark. Charakteristische Symptome für Apis mellifica sind also: starke Schwellung, brennende, stechende, fast unerträgliche Schmerzen.

Der gestochene Mensch kann diese Symptome noch genauer beschreiben und die Umstände schildern, bei denen sie sich verbessern oder verschlechtern. Damit können beispielsweise Tageszeit, Periodizität, Wärme oder Kälte, trockene oder feuchte Atmosphäre, Berührung, Erschütterung, Druck, Bewegung oder Ruhe gemeint sein. Diese genauere Beschreibung der Symptome nennt man Modalitäten. Bei einem gesunden Menschen verschlechtern sich die durch das Bienengift erzeugten Symptome ganz deutlich durch Wärmeanwendungen.

Apis mellifica ist also das passende Mittel, wenn bei einem Patienten eine starke Schwellung und brennende, nahezu unerträgliche Schmerzen vorhanden sind, die sich bei Wärme verschlechtern. Dies trifft auf einige Insektenstiche zu, beispielsweise aber auch auf einen Schnupfen mit einer stark geschwollenen Nase, der im warmen Zimmer schlimmer wird. Oder auch auf Hämorrhoiden. An diesem Beispiel wird sehr deutlich, dass es in der Homöopathie kein Patentmittel für die eine oder andere Erkrankung geben kann, sondern dass vor der Mittelwahl immer sehr genau auf die individuelle Symptomatik geachtet werden muss.

Wie wir bei der Vorstellung der Notfallmittel sehen werden, kommen bei der Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparats unterschiedliche Arzneien in die engere Wahl. Entscheidend bei der Mittelfindung sind die individuellen Symptome und deren Modalitäten. Hat sich der Patient überanstrengt und kann trotz seiner Schmerzen nicht still bleiben, da seine Beschwerden durch eine langsame fortgesetzte Bewegung gebessert werden, so hilft ihm Rhus Toxicodendron. Andere Patienten brauchen bei Rückenschmerzen absolute Ruhe, vermeiden jede Bewegung und Berührung, empfinden aber eine leichten Druck auf der schmerzenden Stelle als angenehm. Diesen Patienten verordnet der Homöopath Bryonia.

Der Schulmediziner würde in beiden Fällen ein Schmerzmittel verschreiben. Hier stellt sich die Frage, ob der anschließend symptomfreie Patient tatsächlich auch geheilt ist. Aus homöopathischer Sicht wird die Krankheit nicht mit den Symptomen gleichgestellt. Viel mehr stellen die Symptome eine Ausdrucksmöglichkeit dar, die dem Organismus innewohnende Krankheit sichtbar zu machen, „nach draußen zu melden“. Im Umkehrschluss wird verständlich, dass das bloße Verschwinden der Symptome nicht automatisch die Heilung des Organismus bedeutet: In vielen Fällen wurden die Symptome nur „wegradiert“, „auf stumm geschaltet“. Sie werden über kurz oder lang nach einer geeigneten Möglichkeit suchen und wieder „laut und sichtbar werden“. Oftmals werden Symptome mit einem Antibiotikum, Kortikoiden, aber auch mit homöopathischen Mitteln, die in wiederholten niedrigen Potenzen verabreicht werden, unterdrückt. Das homöopathische Mittel, sofern es gemäß den Regeln der klassischen Homöopathie ausgesucht und verabreicht wurde, darf die Symptome nicht unterdrücken, sondern dem Organismus einen Impuls geben, der – nach den Worten Hahnemanns – eine schnelle, angenehme, dauerhafte und sichere Heilung herbeiführen wird.

Zusammenfassend geht die Homöopathie von der Annahme aus, dass eine Krankheit eine Verstimmung der Lebenskraft darstellt und sich durch Symptome äußert. Diese Symptome drücken die individuelle Reaktion des Patienten aus und sind maßgebend für die Wahl des geeigneten Mittels.

Anne Sasson

Anne Sasson

Gastartikel von Anne Sasson
www.berlin-tierhomoeopathie.de
Klassische Tierhomöopathin mit eigener mobiler Praxis in Berlin.
Weitere Schwerpunkte: Ernährungs- und Impfberatung für Hund und Katze sowie Blutegeltherapie.
Freie Autorin (Gesundheit, Behandlung & Fütterung von Hund und Katze)
Kontakt: 030 9225 7262 – anne@berlin-tierhomoeopathie.de

 

 

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