
Rüde oder Hündin – was darf’s denn sein?
Bevor Bacardi, unser kleiner Malteser, bei uns einzog, hatten wir noch niemals zuvor einen Hund. Wir waren also völlig unerfahren und wussten nur, dass so ein kleiner Hund das Leben ganz schön auf Kopf stellen kann.
Also beschafften wir uns Hundebücher, surften stundenlang im Internet und saugten alle Informationen ein, die wir fanden. Ein Malteser sollte es sein, das war klar, da ich unter einer Hundehaarallergie leide und Malteser eine der wenigen Hunderassen sind (außer beispielsweise Havaneser, Pudel und Labradoodle), die für Allergiker geeignet sind, da sie keine Unterwolle haben und nicht haaren. Wir suchten im Internet nach Malteserzüchtern und telefonierten uns quer durch Deutschland.Schon mit der ersten Frage, die die meisten Züchter stellten, waren wir überfordert: Wollen Sie einen Rüden oder eine Hündin? Also darüber hatten wir uns noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Macht das denn einen Unterschied? Wir befragten die Fachliteratur.
Rüden werden bei den meisten Rassen etwas größer und schwerer als Hündinnen, sind eigensinniger und oft schwerer zu erziehen. In der Pubertät können sie sehr starrköpfig und abenteuerlustig sein und probieren das Aufreiten auf allen möglichen Gegenständen. Bei der Begegnung mit anderen Rüden hängen sie oft den Macho raus, um ihre Position zu klären. Und wehe, es ist eine läufige Hündin in der Nähe, dann sind manche Rüden vor Liebeskummer taub gegenüber jeglicher Erziehungsmaßnahmen und nutzen jede Gelegenheit zum Ausbüxen.
Hündinnen sind meist leichter erziehbar und werden ca. zweimal im Jahr für etwa drei Wochen läufig. In dieser Zeit sind sie sehr interessant für Rüden und man sollte als Hundebesitzer gut auf seine Hündin aufpassen, wenn man lieber keinen Nachwuchs will. Manche Hündinnen leiden wegen der hormonellen Schwankungen auch unter Scheinträchtigkeit, während der sie Verhaltensänderungen zeigen können. Nachdem wir alle Für und Wider abgewogen hatten und zu dem Schluss kamen, dass wir mit der Erziehung eines Rüden als Ersthundehalter vielleicht überfordert wären, entschieden wir uns für eine Hündin. Eigentlich.
Aber nur eigentlich. Denn nachdem wir den richtigen Züchter gefunden hatten und uns voller Vorfreude auf den Weg machten, um die Welpen zu sehen und „unsere“ kleine Hündin auszusuchen, machte uns einer der kleinen Welpen schon in den ersten Minuten einen Strich durch die Rechnung. Vier kleine Malteserwelpen wuselten aufgeweckt und munter um uns herum. Einer kam sofort zu uns her, kuschelte sich an unsere Füße, wollte geknuddelt werden und wich während unseres Besuches nicht mehr von unserer Seite. Und damit hatte dieser Welpe unsere Herzen erobert, er hat sich uns ausgesucht und wir hatten uns in ihn verliebt, schon in der ersten Minute. Nein, es war keine Hündin, es war ihr Bruder, und es war keine Frage, dass wir uns für ihn entschieden – und wir haben es noch keine Minute bereut.
Autorin:
Anke Angerer
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