Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht an der Pinnwand des Tierarztes, in der Tageszeitung oder auf den entsprechenden Plattformen des Internets auf die Suchanzeigen vermisster Tiere trifft. Manche erst kurz verschwunden, andere schon über Wochen und Monate, so haben sie doch alle eines gemeinsam: Ihre Halter, die nicht wissen, wie sie ihr Tier zurückbekommen sollen und darüber schier verzweifeln.
So laufen jährlich etliche tausend Haustiere in den verschiedensten Situationen davon. Die meisten Tiere tauchen nach einigen Minuten oder Stunden wieder auf, manche aber eben nicht.
Grundsätzlich sind Hunde und Katzen durchaus in der Lage, in unserem eher milden Klima über einen längeren Zeitraum zu überleben. Gefahren drohen ihnen eher durch Straßenverkehr oder dass sie irgendwo eingeschlossen werden und sich aus eigener Kraft nicht befreien können. Richten sie während ihrer Abwesenheit irgendwelchen Schaden an, etwa indem sei einen Verkehrsunfall verursachen, ist der Haustierhalter dafür in vollem Maße haftbar. Dabei können schnell erhebliche Schadenssummen auf einen zukommen.
Was kann man nun tun, wenn das eigene Tier nicht nach kurzer Zeit zurück kehrt?
Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und systematisch die Suche organisieren:
- Kontaktieren der Tierärzte und Tierheime in der näheren Umgebung, möglichst persönlich (dies sollte man durchaus öfter tun, solange das Tier vermisst ist)
- Spaziergänger und Nachbarn ansprechen ob sie das Tier gesehen haben und dass sie sich bitte mit umschauen.
- Polizei, Ordnungsamt, Jagdbehörde (bzw. zuständigen Förster oder Jäger), eventuell auch Bundesbahn und Autobahnmeistereinen informieren
- Spätestens am zweiten Tag einschlägige Organisationen wie TASSO e.V. oder ähnliche mit ins Boot holen (stellen häufig Suchplakate zur Verfügung und helfen bei der Organisation der Suche, auch wenn das Tier nicht gechipt sein sollte)
- Informationen einholen, wo man ggf. eine Lebenfalle organisieren kann, sollte sich das Tier anders nicht einfangen lassen (z.B. beim örtlichen Tierschutzverein nachfragen)
In bestimmten Fällen kann der Einsatz eines sog. Pettrailers Sinn machen. Pettrailer sind Hunde, die speziell für die Suche nach vermissten Tieren ausgebildet wurden. Ob es im Einzelfall Sinn macht, gilt es mit dem angeforderten Suchhunde-Team abzuklären.
Das kann z.B. der Fall sein, wenn das Tier krank oder verletzt ist, oder mitsamt Leine entlaufen ist und Gefahr läuft, irgendwo hängen zu bleiben, aber auch, wenn man sich nicht sicher ist, ob es sich bei einer gemeldeten Sichtung tatsächlich um das gesuchte Tier handelt oder man so gar nicht weiß, in welcher Richtung man suchen soll.
Nicht angeraten kann solch ein Einsatz sein, wenn das gesuchte Tier extrem ängstlich ist und ein Thema mit fremden Menschen und Hunden hat. Ein solches Tier könnte man dann mitunter auch weiter weg treiben.
Gefunden ist noch lange nicht wieder eingefangen
Wenn man dann endlich sein gesuchtes Tier gesehen hat, kann es durchaus sein, dass es auf alles Rufen und Locken nicht wie gewünscht reagiert, sondern ganz im Gegenteil auf Abstand bleibt. Das ist gerade für den Besitzer des Tieres eine schwierige Situation. Wirft man aber einen Blick darauf, was z.B. in einem Hund in einer solchen Situation vorgeht, kann man es wohl nachvollziehen.
Im Laufe der Domestizierung und nicht zuletzt der züchterischen Eingriffe in das Wesen eines Hundes, werden seine Urinstinkte von der Erfahrung, die der Hund im Umgang mit dem Menschen gemacht überdeckt. Trotzdem sind sie latent immer noch vorhanden. Gerät ein Hund nun in eine Situation, in der es für ihn praktisch um das nackte Überleben geht, muss er auf diese Instinkte zurückgreifen. Das kann bedeuten, dass der Hund anderen Hunden und auch den Menschen ausweicht, um Konflikte zu vermeiden, in welchen er möglicherweise verletzt werden könnte oder einfach nur Kraft einbüßen würde, die er an anderer Stelle noch brauchen könnte.
Was evolutionsmäßig einen Vorteil darstellt, da der Hund so draußen in der Lage ist, zu überleben, erweist sich dann als Nachteil, wenn man dieses Tier wieder einfangen will. Hier kann es dann nötig sein, dass man eine Lebendfalle zum Einsatz bringen muss, die man zumeist in den örtlichen Tierschutzvereinen oder Tierheimen ausleihen kann. Diese wird dann in der Regel eine Zeit lang angefüttert, so dass sie für den Hund gefühlsmäßig keine Gefahr mehr darstellt, bevor man sie dann „scharf“ macht, und den Hund letztlich einfangen kann.
Das Erfreuliche ist, dass die Hunde zumeist, wenn sie wieder zu Hause sind, sehr schnell wieder in das Leben der häuslichen Gemeinschaft zurück finden und dort so leben, als sei gar nichts geschehen.
Erste Schritte zunächst im Mantrailen und später als Mantrailing-Trainier habe ich über Absolut-Hund (www.absolut-hund.de) gemacht. Das ist ein Trainerzusammenschluss, dem ich seit meiner Ausbildung zur Problemhundtherapeutin angehöre und dessen oberstes Ziel es ist, einen besseren, artgerechten Umgang mit dem Hund zu etablieren.
Wir streben ein Pettrailer-Netzwerk an, so dass in jedem Bundesland mindestens ein gut ausgebildetes Team zur Verfügung steht. Dazu gehört nicht nur ein gut ausgebildeter Hund, der gut als Team mit seinem Menschen zusammen arbeitet, sondern auch ein Hundeführer, der beurteilen kann, wann so ein Einsatz Sinn macht und wann eher nicht.
Weitere interessante Informationen dazu kann man auch hier (http://www.ig-pettrailer.de) finden.







